Tendopathie

Sehnenerkrankungen, sogenannte Tendopathien, zählen zu den häufigsten Ursachen für Beschwerden am Bewegungsapparat. Man findet sie oft im Sport, aber auch bei anhaltend wiederkehrenden Bewegungen am Arbeitsplatz wie zum Beispiel am Computer oder Fließband.

Die Vorstellung beim Arzt erfolgt häufig erst nach Wochen bis Monaten erfolgloser Eigenbehandlung. Die Erwartungshaltung ist dann sehr groß. Der Behandlungsverlauf ist jedoch meist langwierig, schwierig und oft frustrierend für den Betroffenen und den Arzt.

Allgemein kann man sagen, dass eine Tendopathie durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit verursacht wird.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen nun, dass dadurch weniger entzündliche, sondern viel mehr strukturelle Veränderungen des Sehnengewebes entstehen.

Sehnen haben drei wesentliche Aufgaben:

1. Kraftübertragung vom Muskel auf bewegliche Skelettanteile

2. elastische Speicherung und Rückgabe von Bewegungsenergie

3. Propriozeption (Eigenwahrnehmung des Körpers im Raum).

Zu diesem Zwecke verfügen die Sehnen über einen speziellen Aufbau.

Bis zu 70 Prozent bestehen die Sehnen aus Wasser. Bis 80 Prozent der Trockenmasse beinhalten das Strukturprotein Kollagen Typ I, dass sich fadenförmig im Sehnenverlauf erstreckt. Der Aufbau der Fasern verleiht der Sehne die größte Zugfestigkeit aller Weichteilgewebe im Körper. Eine Sehne mit einem Durchmesser von nur einem Quadratzentimeter ist in der Lage, 500 bis 1000 Kilogramm Gewicht zu halten! Gesunde Sehnen sind relativ zellarm. Die Sauerstoffaufnahme der Sehnenzellen, die das Kollagen bilden, ist fast achtfach geringer als bei Muskelzellen. Die daraus resultierende langsame Stoffwechselrate erklärt die Häufigkeit und Dauer dieser Erkrankungen.

Ursachen und begünstigende Faktoren für das Auftreten von Sehnenerkrankungen können sein:

Bei Sehnen, die störend beeinflusst werden, lösen schon geringe oder kurzzeitige, teilweise schon alltägliche Belastungen Beschwerden aus.

Die Ausbildung einer chronischen Tendopathie erfolgt in zwei Phasen:

1. Phase: akute Tendopathie. In der frühen Phase reagiert der Körper auf entstandene Mikroeinrisse in der Kollagenarchitektur mit einer entzündungsähnlichen Reaktion.

2. Phase: Fehlheilung der Sehne. Es kommt zu einer Desorganisation der Sehnenstruktur mit vermehrter Produktion eines minderwertigen Ersatzkollagens (Typ III).

Veränderungen spielen sich auch im Hüllgewebe ab („Sehnenscheidenentzündung“), die sich durch Schwellung und Knirschen äußern. Sie können teilweise auch ohne Tendopathie auftreten.

Beschwerden, die länger als eine Woche anhalten, resultieren nicht aus entzündlichen Prozessen. Deshalb hilft meist auch nicht die Einnahme eines nichtsteroidalen Schmerzmittels wie Diclofenac oder Inuprofen.

Die häufigsten chronischen Tendopathien sind:

1. Tendopathie der Achillessehne (sogenannte Achillodynie)

2. Rotatorenmanschetten- bzw. Supraspinatussehnensyndrom an der Schulter

3. Epikondylopathie (sogenannter Tennis- oder Golferellenbogen)

4. Plantarfasziitis (sogenannter Fersensporn)

Trotz moderner Forschung ist bis heute der Behandlungserfolg in der Praxis wenig zufriedenstellend und kaum vorhersehbar. In vielen Fällen müssen sich Arzt und Betroffener auf einen langwierigen Verlauf über Wochen bis Monate einstellen.

In der akuten Phase können Schonung und Schmerzmittel helfen.

In der späten Phase ist neben Schonung bzw. Trainingsumstellung ein spezielles Muskeltraining erfolgversprechend. Es kann unterstützt werden durch Anwendungen mit Laser, Magnetfeld und Stoßwelle. Begleitend sollte die Zufuhr mit Mikronährstoffen zur Regeneration des Sehnengewebes gewährleistet werden. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen konservativen Behandlung liegt bei ca. 80 Prozent.

Am effektivsten verläuft die Behandlung, wenn die Ursache für die eingeschränkte Belastbarkeit beseitigt wird. Leider kann diese mit schulmedizinischen Methoden nur selten gefunden werden. Die Funktionsmedizin bietet sich hier optimalerweise an.

Exzentrisches Training bei Tendopathie der Kniescheibe.pdf
Exzentrisches Training bei Tendopathie der Unterschenkels.pdf
Exzentrisches Training bei Tendopathie der Unterarmmuskulatur am äußeren Ellenbogen.pdf
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